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Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul - Land der Finsternis
Naipaul unternimmt seine erste Indien-Reise mit großen Erwartungen. Seit seiner Kindheit in Trinidad mit den komplizierten Details des Kastenwesens, den strengen Ritualen und Speisevorschriften der Brahmanen vertraut, hofft der Sohn einer Einwandererfamilie, der sich in England fremd fühlt, in der Heimat seiner Vorfahren zu den Wurzeln seines Andersseins zu finden. Doch die Erfahrung, zum ersten Mal in seinem Leben nicht schon durch sein Aussehen aufzufallen, trifft ihn als existentieller Schock: „Es war, als hätte man mir einen Teil meiner Realität genommen ... Ich hatte kein Gesicht mehr.“ Naipaul reist von Bombay nach Delhi, hält sich monatelang in einem Hotel in Kaschmir auf, fährt nach Kalkutta und Simla, der alten Sommerresidenz der englischen Kolonialbeamten, durchquert Südindien, besucht den Aurobindo-Ashram und schließlich das Dorf seines Großvaters, wo die trostlose Realität besonders hart mit seinen Wunschvorstellungen kollidiert. Der Rückflug nach London wird zur Flucht. Naipauls Analyse: Die indische Fähigkeit, fremde Eroberer zu assimilieren, hat vor den britischen Kolonisatoren versagt. Die gebildeten Schichten des Landes haben die westlichen Wertmaßstäbe kritiklos als das Nonplusultra der Zivilisation übernommen, während zugleich traditionelle Konzepte weitergepflegt wurden, so daß die indische Gesellschaft insgesamt an einer Art Schizophrenie krankt, von der nicht einmal der Nationalheld Gandhi frei war. Naipauls ebenso brillantes wie persönliches, informatives wie poetisches Indien-Buch ist ein Schlüsselwerk für das gesamte Oeuvre des weltberühmten Autors, dessen Lebensthema die Entwurzelung der postkolonialen Menschen ist.
"Naipaul schreibt, als würde er malen. Egal, welche literarische Form er wählt, er ist ein Meister"
The New York Times
Quelle:
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