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Sir Vidiadhar Surajprasad Naipaul - Abschied von Eldorado
V. S. Naipaul wuchs im Herzen der Zuckerrohrplantagen und des indischen Gebietes von Trinidad, in der Ansiedlung Chaguanas auf, wohin seine indischen Vorfahren einst als Kontraktarbeiter ausgewandert waren. Das Trinidad seiner Kindheit war eine Welt, die auf Naipaul abgeschlossen, endgültig wirkte, eine Welt, die scheinbar keine Geschichte kannte. Doch als Erwachsener überkam ihn Verwunderung darüber, zusammen mit dem eigenen Gefühl, von der Vergangenheit abgeschnitten worden zu sein — eine Empfindung, die beim Schreiben dieses Buches wuchs. Abschied von Eldorado ist der Versuch, sich dem Schauplatz seiner eigenen Geschichte und damit seiner Vergangenheit anzunähern. Denn Trinidad kam zweimal sehr heftig mit der Historie in Berührung: bei der Suche nach dem sagenhaften Eldorado, das man im 16. Jahrhundert irgendwo in Südamerika vermutete, und bei der britischen Eroberung von Trinidad, der die Gründung einer Sklavenkolonie folgte. V. S. Naipaul dringt sprachgewaltig in fernes Dunkel vor: Er hat akribisch historische Quellen studiert und die darin enthaltenen Figuren und Ereignisse als lebendige Teile seiner karibischen Heimatinsel vorgestellt. Abschied von Eldorado ist eine Kolonialgeschichte, die von der Ausrottung der Ureinwohner, von brutalster Sklaverei, Fremdherrschaft und Revolution erzählt. Und es ist ein biographisch motiviertes Buch, das in der Erinnerung haftet — geschrieben von einem glänzenden Literaten, der wie kein anderer die Frage nach Identität thematisiert.
Quelle:
Claassen Verlag
Friedrichstr. 126
10117 Berlin